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Rheinpfalz - Ausgabe Ludwigshafen am 09.01.2003 Vom Handschuh bis zum Herzkatheter Neues Unternehmen im Rhein-Center: MS Medical Standard berät Krankenhäuser beim Einkauf von Einmalprodukten Das Rhein-Center am Rathausplatz ist keine schlechte Adresse für ein frisch aus der Taufe gehobenes Unternehmen. Im ersten Stock führt die 52jährige Firmengründerin Irene Wolter durch die Büroräume. Alles ist neu, ob Konferenztisch, Flachbildschirm oder Kaffeetasse. An den Wänden hängen Bilder des Pfälzer Malers Theo Ofer. Auf den ersten Blick keine Spur vom eigentlichen Geschäft: MS Medical Standard berät Krankenhäuser beim Einkauf von Einmalprodukten - alles vom Untersuchungs-Handschuh bis zum Herzkatheter. "Wir wollen als neutraler Berater mit unserem Fachwissen die Position der Einkäufer im Krankenhaus stärken, denn der Medizin-Produkt-Markt ist unübersichtlich und die Produkte sind schwer zu vergleichen", so die Geschäftsführerin. Auch in Zeiten knappen Budgets dürfe der Rotstift nicht die Qualität der Versorgung gefährden. Deswegen gehe das junge Unternehmen den Weg der Standardisierung. Wolter hat dazu sogleich ein Beispiel parat: In einem Fall liefern 32 verschiedene Hersteller Einmalartikel für den Operationssaal. Können gleichwertige Artikel von nur zwei oder drei Herstellern geliefert werden, dann sinken die Preise und werden Bestellung und Lagerhaltung vereinfacht. Als Produktmanagerin lebt Wolter davon, dass sie beide Seiten kennt: Klinik und Industrie. Zwei Jahrzehnte hatte sie als Krankenschwester in der Anästhesie und auf der Intensivstation gearbeitet. Sie bildete Schwesternschülerinnen und Pfleger aus und baute schließlich Anfang der 80er Jahre die medizinische Intensivstation im Marienkrankenhaus mit auf. Danach der Wechsel zur Industrie, wo sie als Beraterin arbeitete und später einen medizinischen Großhandel mitgründete. Jetzt sitzt sie im Konferenzraum am Laptop und präsentiert ihr Unternehmenskonzept. Dabei fühle sie sich weiterhin dem Berufsethos der Krankenschwester verpflichtet. "Ich gehe nicht ins Krankenhaus und zocke ab", sagt die Alleingesellschafterin der GmbH. Im Gegenteil: Sie wolle die Kliniken stärken, gerade weil in den letzten Jahren das Ungleichgewicht zwischen Herstellern und Krankenhäusern immer größer geworden sei. Oft verhandelten gut geschulte Verkäufer mit medizinisch unbeleckten Einkäufern. Die stünden dann vor dem Dilemma: Welche Produkte sind denn gleich? Um diese Frage zu beantworten, entwickelte Wolter vor vier Jahren ein Konzept. Ein Blick über den großen Teich half bei der Suche nach Antworten: In den USA gehört die Produktmanagement-Abteilung so selbstverständlich zu einem Krankenhaus wie die Unfallchirurgie. Mittlerweile stehen auch in Deutschland Krankenkassen oder Logistikunternehmen dem Konzept aufgeschlossen gegenüber. "Die Firma war noch nicht ins Handelsregister eingetragen, da erhielt ich schon ein Kaufgebot", erzählt Wolter. Selbst der Vergleich von OP-Handschuhen kann zur Detektivarbeit werden: Wochenlang recherchierte und verglich sie Latex-Anteil, Schutzeigenschaft oder Teilchen-Durchlässigkeit verschiedener Modelle. Fazit: Die anfallenden Datenmengen sind riesig. Also hat Wolter sofort nach der Firmengründung im Oktober einen EDV-Fachmann mit ins Boot geholt, der den hauseigenen Server betreut - dieser wiederum verdaut die Hunderttausende von medizinischen Datensätzen, die Mitarbeiter per Hand eingeben. Die Datenbank ist der Wissens-Rohstoff der kleinen Firma. Vier Mitarbeiter sind mittlerweile eingestellt und angelernt. Vier weitere sollen demnächst dazu kommen. (Michael Becher) |
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